Biographie

Lars Vogt, geboren am 8. September 1970 in Düren (Eifel), hat sich seit seiner Teilnahme am renommierten Klavierwettbewerb in Leeds (1990, er gewann den 2. Preis) zum heute erfolgreichsten deutschsprachigen Pianisten der Gegenwart entwickelt.

Ausgebildet von Ruth Weiss und Karl-Heinz Kämmerling, kam seine Karriere nicht zuletzt durch den Dirigenten Sir Simon Rattle in Schwung. Aufnahmen mit Beethovens Klavierkonzerten Nr. 1 und 2 ebenso wie das Schumann- und Grieg-Konzert entstanden noch zur Zeit Rattles beim City of Birmingham Orchestra. Unter Claudio Abbado, dem Vorgänger Rattles in Berlin, folgte 1999 Hindemiths Kammermusik Nr. 2 für Klavier und 12 Instrumente mit den Berliner Philharmonikern. Seither gibt Lars Vogt Solo-Abende und konzertiert mit den besten Orchestern in aller Welt.

Schon 1998 gründete er in Heimbach in der Eifel (in der Nähe seines Heimatortes) das Kammermusik-Festival "Spannungen". Sein Drang zur edlen, kleineren Besetzung wurde durch Konzert-Mitschnitte des Festivals weltbekannt. In einem verträumten Jugendstil-Kraftwerk, das außerhalb des Festivals noch zur Stromerzeugung benutzt wird, konzertiert man mit regelmäßigen Gästen wie Isabelle Faust, Sharon Kam oder Antje Weithaas, die mit dem Festival groß geworden sind.

Seit 2005 engagiert sich Vogt in dem von ihm gegründeten Education-Projekt "Rhapsody in School". Befreundete Musiker wie Julia Fischer, Alban Gerhardt und Emmanuel Pahud stellen an ausgewählten Schulen ihr Instrument interaktiv vor und machen mit den Schülern Musik. Dies geschieht meist am Tag vor einem Konzert. Er empfinde es als Skandal, "dass wir es nicht hinbekommen, mehr Kinder Feuer fangen zu lassen bei klassischer Musik", sagt Lars Vogt. Man dürfe das Interesse an Musik nicht "mit zu vielen Quintenzirkeln" ersticken. So steckt hinter der Streetworker-Mentalität von Lars Vogt im Grunde die Forderung für ein neues Klassik-Selbstbewusstsein. Wer sich duckt oder schüchtern versteckt, muss sich nicht wundern, wenn er nicht ernst genommen wird. Die Veranstaltungen von "Rhapsody in School" sind buchbar – nach dem Motto 'Musiker hautnah'. Mit dieser Aktion hat Lars Vogt sein Image des Virtuosen zum Anfassen endgültig besiegelt.

Lars Vogt ist der erste Virtuose, dessen junges Image nicht mehr von Wunderkind-Aspekten oder von nervöser Unberechenbarkeit geprägt wurde. Mit ihm hat der geerdete, vernünftige Pianisten-Typus vom Schlage eines Edwin Fischer oder Alfred Brendel einen jugendlichen Relaunch erfahren. Genau damit blieb er beim Bild einer gleichsam musikalisch deutschen Ehrlichkeit. Frei von Blendertum. Pianistisch bar zahlend. Ohne ungedeckte Schecks.

Bei näherem Hinsehen allerdings war der wirklichkeitsnahe Vogt stets einer, der weniger deutsch gründlich vorging als es schien. "Ich habe nicht einmal privat sämtliche 32 Klaviersonaten von Beethoven gespielt. Sowohl die Hammerklavier-Sonate wie die Waldstein-Sonate fehlen", so der inzwischen fast Vierzigjährige. "Ich brauche einige Jahre, bevor ich ein großes Werk befriedigend im Konzert spielen kann." Das bedeute nicht, dass er grundsätzlich langsam lerne. "In die Sonate in d-Moll von Robert Schumann", die er in Heimbach gemeinsam mit Christian Tetzlaff aufführte, habe er "vielleicht zehn Stunden reingesteckt." So wirft ein Pianist, der sich scheinbar leicht verorten lässt, bei engerer Betrachtung die Klischees über ihn um so rücksichtsloser über den Haufen.

Keine Frage, dass deutsches Repertoire einen Schwerpunkt der Nachfrage bei ihm bildet. "Ich tendiere dazu, Mozart eng an der Taste zu spielen." Also intim, ohne romantischen Faltenwurf oder theatralisch ausholende Geste. Lars Vogt neigt mehr denn je zum kammermusikalischen Zwiegespräch. Zur Fokussierung aufs Kleine – und aufs Detail. Sogar zum Schweigen.

Mit etwa 90 Konzerten pro Jahr gehört Lars Vogt zu den heute fleißigsten Klavier-Multiplikatoren. Neben den USA ist Japan sein traditionell größter überseeischer 'Markt'. Lars Vogt lebt in London, liiert mit der Bratschistin Rachel Roberts. Und in Berlin, um seine Tochter so oft wie möglich sehen zu können. "Das Leben ist wilder geworden", sagt er. "Wer keine Existenzsorgen hat, sollte sich welche machen." Den Humor hat er nicht verlernt.

Releases

Termine

25. Feb
Sonntag
Lars Vogt
Live
Florenz