Komponisten
Johannes Brahms
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Genre
Violinenmusik
Erschienen am
24.09.2021
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Dem ausgetretenen Pfad ist er noch nie gefolgt: Bevor Emmanuel Tjeknavorian 2015 den zweiten Platz des prestigeträchtigen Sibelius-Violinwettbewerbs belegte, hatte der Wiener schon den Dirigentenweg eingeschlagen. Zu diesem kehrte er 2018 zurück und entschied, sich ab der Saison 2022/23 ganz dem Dirigieren zu widmen. Bis dahin hält er den Spagat und sucht dabei stets die Herausforderung: Gemeinsam mit dem WDR Sinfonieorchester unter der Leitung von Cristian Măcelaru spielte er für das Album 'Brahms – Violin Concerto & Songs', das am 24. September bei Berlin Classics erscheint, Brahms‘ Violinkonzert ein – und tauscht dabei kurzzeitig die Geige gegen die Bratsche ein. So begleitet er die Sängerin Anna Lucia Richter gemeinsam mit dem Pianisten Andreas Haefliger bei den Zwei Gesängen, op. 91: 'Gestillte Sehnsucht' und 'Geistliches Wiegenlied'.  Für Brahms‘ bekanntes 'Wiegenlied' sowie 'Wie Melodien zieht es mir' greift er jedoch wieder zur Geige.

Das romantische Konzert gilt als zutiefst anspruchsvoll; zu den immer wieder zitierten Worten über Johannes Brahmsʼ Violinkonzert zählen jene Hans von Bülows: Gegen und nicht für die Geige sei dieses mit technischen Höchstschwierigkeiten gespickte Konzert geschrieben. »Brahms Violinkonzert ist im Gegensatz etwa zu Mendelssohns Konzert ein sinfonisches Werk«, sagt Tjeknavorian »Man muss wie ein Architekt denken und ganz klare Strukturen schaffen. Wichtig ist, seine Energie wohl zu dosieren, seine Kraft nicht zu schnell aufzubrauchen und abzuwägen, wann man sich emotional öffnet und wann man im Sinne der Struktur agieren muss. Seine Kraft zu schnell aufzubrauchen, tut dem Werk und einem selbst nicht gut.«

Für Brahms‘ Lieder op. 91 griff er selbst zur Bratsche. »Ich finde es faszinierend, dass die Bratsche in beiden Liedern die Melodie vorstellt. Das zeigt, wie wichtig Brahms die Bratschenstimme war«, so Tjeknavorian. Die beiden Lieder für Mezzosopran, Bratsche und Klavier waren für ihn ein Sensationsfund: »Die Musik hat mich in einen tranceartigen Zustand versetzt und zu Tränen gerührt. Zunächst dachte ich, dass mich das Hören genug erfüllt, doch dann habe ich es mir anders überlegt und bin kurzzeitig mit der Bratsche fremdgegangen.«

Das Brahms-Album aufzunehmen, war Emmanuel Tjeknavorian schon lange ein Anliegen: »Brahms ist einer der Komponisten, die jeden Tag in meinem Kopf, meinem Herzen und meinen Ohren sind. Keinen anderen Komponisten habe ich so aufgeführt. Brahms ist für mich zu einem Vorbild als Künstler geworden, weil es ihm gelungen ist, in seinem Schaffen die goldene Mitte zwischen emotio und ratio zu finden – bei Brahms wird sowohl der Intellekt als auch das Herz zutiefst befriedigt.« Die Suche nach dieser goldenen Mitte begleitet Emmanuel Tjeknavorian sowohl an der Geige also auch am Pult: »Noch vor einigen Jahren war der emotionale Anteil in meinem Spiel höher. Seit ich dirigiere und damit auch viel analysiere, bin ich sehr von der Struktur fasziniert. Brahms als Vorbild nehmend, bin ich in den weiteren Jahren meiner Laufbahn darauf aus, die Balance zu finden, denn mit einer solchen Haltung kann das Musizieren nie zur Routine werden.«

Komponisten
Johannes Brahms
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Genre
Violinenmusik
Erschienen am
24.09.2021

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