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Eine unglaubliche Entfaltung des Raumklanges

Der Dirigent Herbert Kegel besaß ein sensibles Gespür für die Entfaltung des Klanges im Raum, weshalb er die außergewöhnlich guten akustischen Bedingungen der Dresdner Lukaskirche als ständigem Eterna-Aufnahmestudio in idealer Weise zu nutzen verstand. Hier war ein ausbalancierter Mischklang ebenso zu erzielen wie Durchhörbarkeit im Tutti – Karajansche Opulenz war schließlich nie das Leitbild Herbert Kegels. Sein Insistieren auf artikulatorischer Genauigkeit erinnert eher an Protagonisten der historischen Aufführungspraxis oder auch an solche der Neuen Musik; dazu kam allerdings wie bei zahlreichen vernehmlich im spätromantischem Repertoire beheimateten Dirigenten ein intuitives Verständnis für den „langen Atem“ der Musik, also die Fähigkeit, große Spannungsbögen erfahrbar zu machen.
Auf dem Tracklisting wird ersichtlich, dass es sich bei der hier wiederveröffentlichten Aufnahme um eine der langsamsten der Diskographie handelt, ohne dass dies beim Hören über die gesamte Werkdauer spürbar wäre: Die Komposition wird gewissermaßen unter ein akustisches Vergrößerungsglas gelegt, wodurch wenig bewusste Einzelheiten, nicht selten übersehene Nebenstimmen etc., hervortreten. Obschon Kegels Nuancierungskunst auf das Herausarbeiten klanglicher und dynamischer Kontraste abzielt, wirkt seine Agogik nie willkürlich, sondern immer am Formverlauf orientiert.

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