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Herbert Kegel dirigiert Carl Orff

Der 1895 geborene Münchener Carl Orff gehört zu den faszinierendsten Erscheinungen des Musikschaffens im 20. Jahrhundert. Große Bekanntheit erlangte er durch seine „Carmina Burana“, einem Werk von fulminanter Ausstrahlungskraft. Neben diesem Werk vereint das Triptychon „Trionfi“ noch „Catulli Carmina“ und „Trionfo di Afrodite“, die in dieser Edition ebenfalls unter Herbert Kegels musikalischer Leitung zu erleben sind. „Die Kluge“ behandelt im Stile einer Märchenfabel und im Sinne eines Brecht‘schen Lehrstückes die Geschichte um einen König, einen Bauern und seiner klugen Tochter. Die Einspielung ist einer der wichtigsten im großen ETERNA-Katalog und hat bis heute klanglich und musikalisch Referenzstatus.


Das Repertoire des Dirigenten Herbert Kegel war so breit und die von ihm dort gesetzten Schwerpunkte so ungewöhnlich, dass es kaum möglich ist, ihn „marketingtauglich“ zum Spezialisten für einen Komponisten oder eine bestimmte Epoche der Musikgeschichte zu apostrophieren – zu nahe läge die Formulierung „Spezialist für alles“, die zwar ironisch klingen mag, aber angemessen wie bei nur sehr wenigen Dirigenten wäre.
Kegels Aufnahmeserie mit Werken von Carl Orff – Carmina Burana nahm er sogar zweimal für ETERNA auf – scheint nach dem heute allzu verbreiteten Schubladendenken z. B. schlecht zu seinem leidenschaftlichen Engagement für die Zweite Wiener Schule zu passen, als deren unermüdlicher Fürsprecher er in der DDR aktiv war, was im Katalog vom VEB Deutsche Schallplatten vielfältig dokumentiert ist – mit Ersteinspielungen natürlich. Herbert Kegels ästhetischer Horizont war buchstäblich grenzüberschreitend und kompromisslos weit. Die gleiche akribische Feinheit, die beispielsweise Weberns filigrane Texturen unter seiner Stabführung auszeichnet, gibt einem nicht selten als reißerisch-monumental erlebten „Schaustück“ wie Carmina Burana eine in diesem Maße selten erlebte Aura ritueller Strenge und Ernsthaftigkeit.