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Suitner brachte durch seine Wiener Herkunft etwas Authentisches, Glaubhaftes mit.“ Erinnerungen beginnen zu leuchten, werden Zeitzeugen auf Tonaufnahmen angesprochen, selbst wenn sie mehr als dreißig Jahre zurück liegen. Sie müssen bei den Beteiligten wie den zitierten Lothar Friedrich – langjähriger Violinist der Staatskapelle Berlin – nur bleibende Eindrücke hinterlassen haben und das ist bei jenen Aufnahmen für eine Gustav-Mahler-Doppel-LP, die 1986 bei Eterna – VEB Deutsche Schallplatten Berlin DDR – erschien, zweifellos der Fall. Das Hauptwerk, die Fünfte Sinfonie, einst ein Durchbruch schon für den Komponisten, war gekoppelt mit Liedern aus der Sammlung Des Knaben Wunderhorn. Die Interpreten: Bariton Siegfried Lorenz, Staatskapelle Berlin, Otmar Suitner.

Dirigent Suitner, der 2010 in Berlin starb, war Österreicher. Das mag einer der Schlüssel zum Verständnis sein, warum dies Platte überhaupt entstehen konnte. Suitner war 1974 bis 1991 Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper Unter den Linden und damit zugleich Chef der Staatskapelle Berlin.

„Er war sehr gelöst, nicht überkonzentriert – ein fantastischer Dirigent, mit Leichtigkeit und Begeisterung. Diese Lieder brauchten ein Orchester, das den puren Ausdruck bringt“, so der Sänger Siegfried Lorenz zur Aufnahme der Wunderhorn-Lieder mit Otmar Suitner. Lothar Friedrich ergänzt zu Mahlers 5. Sinfonie: „Wenn ich die Aufnahme heute höre, fühle ich mich bestätigt. Suitner gelang eine tolle Balance – hier seine Emotionalität, da eine durch Intellekt regulierte Herangehensweise.“

 Ein Österreicher dirigierte Mahler in der DDR. Eine ungewöhnliche Konstellation auf künstlerisch höchstem Niveau.