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Zuerst absolute Stille – plötzlich beginnt eine glockenklare Frauenstimme eine kostbare Melodie in den Kirchenraum zu zeichnen. Weitere Stimmen schließen sich an, abwechselnd treten sie nun hervor, machen einander Platz, bilden einen Rahmen zur Entfaltung. Klänge von Harfe oder Hackbrett treten hinzu, sie durchqueren den Tonraum, beleuchten dabei sanft die Stufen, über die auch der Gesang gleitet.

Inspirierte Musik wie diese muß mit Inspiration wiederbelebt werden, dies ist die Überzeugung des Ensembles VocaMe, das bereits mit einer Aufnahme mit Musik der byzantinischen Komponistin Kassia große Aufmerksamkeit auf sich zog.


Hildegard von Bingen selbst sprach davon, als Ungelehrte ("indocta") "Auditionen" erfahren zu haben. Dies erklärt vielleicht die Sonderstellung ihrer Musik, die "wie aus dem Nichts auftauchte und wieder verschwand", wie Michael Popp, künstlerischer Leiter von VocaMe, im Einführungstext zum Album anmerkt. Er zeigt sich überzeugt, "dass gerade im Umgang mit Hildegard die intuitive und somit künstlerisch-kreative Annäherung – bei aller Notwendigkeit der neuzeitlichen Analysemethoden – unabdingbar und letztlich 'authentischer' ist als die überwiegend modern ausgerichtete rational erklärende Herangehensweise."

Daraus folgt ein Ansatz, der sich bewußt Freiheiten nimmt: "Auch die Aufnahme selbst sollte – ohne uns mit der Größe einer Figur wie Hildegard vergleichen zu wollen – inspirierend und kreativ sein. Sie sollte neben der Genialität der originalen Überlieferung auch ein kleines Stück unserer individuellen Auseinandersetzung mit diesem Werk, also einen neuen Klang, zu Gehör bringen", so Popp.

Hildegard von Bingens Bedeutung ist 2012 auch von der Kirche auf spektakuläre Weise unterstrichen worden, indem sie nach der Heiligsprechung nun auch in den Rang einer katholischen Kirchenlehrerin erhoben wurde. Dies ist ein Titel, der in der gesamten Geschichte zuvor nicht mehr als 33 Personen verliehen worden war und die Bedeutung dieser einzigartigen Frau vor aller Welt herausstellt. Eine "Renaissance" hat Hildegard von Bingen wohl kaum nötig, aber zum Anlaß für eine inspirierte Neudeutung ihrer Musik kann man dies schon nehmen.


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