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Ist von "Liedern ohne Worte" die Rede, denkt man unweigerlich an Felix Mendelssohn Bartholdy – und umgekehrt. Kein Wunder, denn mit seinen Stücken schrieb der große Romantiker eine Erfolgsgeschichte, die kaum ihresgleichen hat und ihm selbst zeitweilig sogar unheimlich wurde.

Weit weniger bekannt ist, daß er die "Lieder ohne Worte" gar nicht allein erfunden hat, sondern gemeinsam mit seiner Schwester Fanny Hensel. Dem Pianisten Matthias Kirschnereit verdanken wir nun die erstmalige Gegenüberstellung sämtlicher Stücke beider Geschwister in einer Gesamtschau. Dabei fällt sofort der Anspruch der Stücke Fannys auf; setzt Felix seine Mittel oft bewußt sparsam ein, so geht Fanny ambitioniert zu Werke und nimmt auch auf Spielbarkeit weniger Rücksicht.


Aber auch der vermeintlich wohlbekannte Mikrokosmos der Mendelssohnschen Lieder sorgt für Überraschungen. Geht der Blick von den bekannten "Hits" über zum Ganzen, überrascht die Vielfalt, die nur ein schier unerschöpflicher Ideenreichtum erschaffen konnte. Das Schema von gesanglicher Melodie mit einfacher Begleitung wird dabei in alle Richtungen hin ausgedehnt und aufgefächert.

Für diesen Komponisten eine Lanze zu brechen, hat sich Matthias Kirschnereit auf seine Fahnen geschrieben. Dessen Werke liegen dem Pianisten ohnehin sehr, denn er sieht sich in der Tradition der "deutschen Klavierschule", die von seiner Lehrerin Renate Kretschmar-Fischer über Conrad Hansen, Edwin Fischer und Martin Krause bis zu Franz Liszt zurückreicht. Dementsprechend ist die deutsch-österreichische Romantik seine musikalische Heimat. Aber Mendelssohn bedarf seines Erachtens besonderer Beachtung, denn auch wenn nur noch selten offen von einem geringeren Stellenwert gegenüber den Altersgenossen Schumann und Chopin gesprochen werde, so seien doch die verschwiegenen Vorurteile nach wie vor präsent.

Für seine Einspielung der Mendelssohn-Konzerte erhielt er einst den Klassik-ECHO, nun tritt Matthias Kirschnereit in seiner Gesamtaufnahme der Lieder ohne Worte erneut für den Komponisten – und dessen erst noch zu entdeckender Schwester! – ein. Dabei versteht er es mit delikater Anschlagskultur und feinem Sinn für Subtilitäten jedem Lied seine Besonderheiten zu entlocken und eine wunderbare Welt en miniature hörbar zu machen. Ein Plädoyer von gut drei Stunden, das Bestand haben dürfte!


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