Komponisten
Claude Debussy Marin Marais Nadia Boulanger
Informationen
Genre
Kammermusik
Erschienen am
24.04.2020
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Mit Vox Humana legt der Cellist Isang Enders ein gleichsam durchdachtes Konzeptalbum, eine Studie des Klangs und das Abbild eines musikalischen Beziehungsnetzes vor. Sorgfältig wählt er für seine dritte Veröffentlichung bei Berlin Classics französische Werke aus vier Jahrhunderten aus, setzt sich mit jedem auf ganz individuelle Weise auseinander und stellt sich selbst und den Hörer vor die Aufgabe, nicht nur zuzuhören, sondern wahrzunehmen.

Den Ausgangspunkt seiner Betrachtung findet der Isang Enders bei Claude Debussy. „Als ich das erste Mal Debussy gespielt habe, bekam ich von meinem damaligen Lehrer die Anweisung: „viel Bogen, wenig Druck, viel Luft“. Bei Debussy steht jedoch über jedem Ton ganz genau, wie er gespielt werden muss. Innerhalb dieses Korsetts dann eine Interpretation entstehen zu lassen, basiert auf Timing und Klangfarbe. Man muss seinen Kleiderschrank aufmachen und wirklich nach jeder Farbe und Struktur suchen, die man finden kann. Das ist mühsam.“ Von Debussy und seinen Klangfarben aus wirft Isang Enders einen Blick in Vergangenheit und Zukunft.

In Marin Marais sieht er einen musikalischen Vorfahren Debussys, dessen Musik „unglaublich gesanglich“ ist, „viel mehr, als man gemeinhin annimmt“. Von diesem barocken Vorgänger aus lässt Enders seinen Blick bis tief ins 20. Jahrhundert streifen – über Stravinsky, die Boulanger-Schwestern Lili und Nadia zu Messiaen, „die logische Konsequenz aus Debussy.“ Im Zentrum steht für Enders dabei immer die Frage: Wie unterscheiden sich die Klangvorstellungen der einzelnen Komponisten und wie lassen sie sich auf dem stimmen-ähnlichem Cello umsetzen? Die Mehrheit der Stücke auf dem Vox Humana ist nicht ursprünglich für Cello geschrieben; Enders musste sie arrangieren, konnte so aber noch mehr auf die einzelnen Werke eingehen. So setzt er Debussy u.a. für Cello und Gitarre um, spielt Marais mit zwei Celli und Messiaen mit Harmonium, Orgel und dem seltenen Theremin, „im Grunde eine elektrische vox humana. Ich folge den Stimmungen, die sich aus den jeweiligen Stücken ergeben: die sakrale, chorische Tonsprache des Clair de lune, der burschikose letzte Satz von Nadia Boulanger, dieses Feuer und diese Fantasie, was man dann im Intermezzo und in der Pantomime wiederfindet. Und dann wieder Marais mit Les Voix humaines, wo man wirklich das Gefühl hat, einem Menschen beim Singen zuzuhören.“

Isang Enders spricht von barocken und impressionistischen Legato-Bögen, von der Ästhetik der Schärfe, von Farb- und Kontraststrukturen und spannt so einen großen Bogen zwischen den Epochen, dass alle Werke gleichzeitig näher zusammenrücken und doch in ihrer Eigenständigkeit an Detailreichtum zunehmen. Seine musikalischen Partner auf Vox Humana sind ebenso seine persönlichen Wegbegleiter: den Pianisten Sunwook Kim, den schottischen Gitarristen Sean Shibe und seinen Cello-Kollegen Mischa Meyer kennt er durch seine rege Konzerttätigkeit auf allen Kontinenten, sein Studium oder die Stelle als 1. Konzertmeister der Violoncelli der Sächsischen Staatskapelle Dresden, die er als 20-jähriger antrat. Die berühmte Thereministin Carolina Eyck, die mit ihrem besonderen Instrument auf der ganzen Welt unterwegs ist, kennt er aus dem Jugendorchester und nicht zuletzt sein Vater ist auf dem Album an Harmonium und Orgel vertreten.

Komponisten
Claude Debussy Marin Marais Nadia Boulanger
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Genre
Kammermusik
Erschienen am
24.04.2020

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